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19.07.2012 Das ist in Deutschland verboten

Spannerkonzern Facebook durchsucht Privatnachrichten mit Data Mining

In der jungen Welt ist heute ein Interview mit uns über das unzulässige Speichern und Auswerten von Nutzerdaten durch facebook erschienen. Wir dokumentieren das Gespräch in unserem Pressespiegel:

»Das ist in Deutschland verboten«

Daten-GAU: Spannerkonzern Facebook durchsucht Privatnachrichten mit Schlüsselwortprogrammen. Ein Gespräch mit Rainer Hammerschmidt

Dr. Rainer Hammerschmidt ist Vorstandsmitglied des Bürgerrechtsvereins Freiheit statt Angst e.V.; Interview: Claudia Wangerin

Der Sicherheitschef des Facebook-Konzerns, Joe Sullivan, hat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die automatisierte Überwachung privater Chatnachrichten zugegeben. Sie werden nach Schlüsselwörtern durchsucht – angeblich soll das zur Verhinderung von Sexualverbrechen beitragen. Wie schnell können sich Facebook-Nutzer verdächtig machen?

Wir haben uns bei »Freiheit statt Angst« schon mit allen möglichen Überwachungsmethoden beschäftigt – dabei sind wir auch auf das sogenannte Data-Mining gestoßen. Das bedeutet sinngemäß, aus einem Datenberg wichtige Informationen oder nicht offensichtliche Zusammenhänge zu extrahieren. Dabei können richtige Zusammenhänge gefunden werden, aber auch falsche. Bruce Schneier, Experte für Sicherheitstechnologien, hat das anhand der »No Fly«-Listen in den USA untersucht, auf denen Menschen stehen, denen Flugreisen verweigert werden, weil sie unter Terrorismusverdacht stehen. Das Ergebnis war, daß Methoden wie Data-Mining in der Regel zu falschen Verdächtigungen führen. Man findet damit meist nicht die, die man haben will – seien es Terroristen oder die bei Facebook gesuchten Sexualstraftäter. Statt dessen bekommen Leute ein Problem, die aufgrund vager Verdachtsmomente festgenommen werden und dann ihre Unschuld beweisen sollen, was nicht immer so einfach ist. Überwachungstechnologien gehen zunächst davon aus: Jeder könnte böse sein.

Wie ist das Vorgehen von Facebook datenschutzrechtlich zu bewerten?

Diese Technologie auf personenbezogene Daten anzuwenden, ist in Deutschland verboten. Das haben die Datenschutzbeauftragten schon im Jahr 2000 für Behörden, Polizei und Unternehmen festgelegt – abgeleitet aus dem Bundesdatenschutzgesetz. Insofern dürfte das hier nicht praktiziert werden, was einen weltweiten Konzern aber kaum interessiert. Facebook gibt an, Chats, E-Mails und Postings auszuwerten. Letzteres sind Einträge, die man bewußt einem größeren Kreis zugänglich gemacht hat, vergleichbar mit Blogs. Für E-Mails gilt dagegen in Deutschland das Fernmeldegeheimnis. Und Chats sind Unterhaltungen in Schriftform – da tippt man schnell mal was und geht nicht davon aus, daß es gespeichert und ausgewertet werden darf. Nach deutschem Recht darf es das ja auch nicht.

Mit der Facebook-Software soll sogar bewertet werden, wie gut sich die Chatpartner kennen. Wenn sie zu dem Schluß kommt, daß sie sich gut kennen, wird der Chat angeblich nicht weiter verfolgt. Wie präzise ist das überhaupt feststellbar, ohne den Dialog sehr intensiv zu verfolgen?

Wie genau eine Software beurteilen kann, wie gut sich zwei Menschen kennen, ist mehr als fraglich. Wenn da nichts steht, das so eindeutig ist wie »Hey, ich kannte dich bisher noch nicht«, ist das wohl kaum verläßlich. Wenn so etwas aus Satzstellungen in Gesprächsprotokollen geschlossen wird, dürfte die Trefferwahrscheinlichkeit etwa bei 50 Prozent liegen.

Heute lernen sich allerdings auch immer mehr Paare übers Internet kennen – und kommunizieren zum Teil sehr offen über Sex, bevor sie sich treffen.

Ja, so gesehen kann es erst mal jeden erwischen. Bei den Kriterien zur weiteren Überwachung sollen auch noch Altersunterschiede eine Rolle spielen. Aber Einzelfälle, in denen Facebooktatsächlich einen begründeten Verdacht auf sexuellen Mißbrauch melden konnte, heiligen dieses Mittel nicht.

Raten Sie zum Boykott von Face­book oder nur zu vorsichtigem Nutzerverhalten?

Unsere Haltung zu Facebook ist sowieso sehr kritisch. Grundsätzlich ist es eine Datenkrake, die Informationen auch für die Werbebranche sammelt. Das fängt schon damit an, daß man nach Handynummern und weiteren E-Mail-Adressen gefragt wird, sobald man sich dort anmeldet. Aber selbst, wer diese Kontaktdaten nicht angibt, ist nicht vor bösen Überraschungen sicher. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen, denen man bei der Anmeldung zustimmt, läßt sich Facebookdie Rechte an den Daten der Nutzer praktisch abtreten. Insofern können wir nur sagen: Finger weg! Andere soziale Netzwerke halten sich zumindest an deutsches oder europäisches Recht. Aber die sind leider nicht so erfolgreich.

 

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Kategorie[21]: Unsere Themen in der Presse Short-Link dieser Seite: a-fsa.de/d/1Tn
Tags: Facebook, soziale Netzwerke, Scoring, Ueberwachung, Verbraucherdatenschutz
Erstellt: 2012-07-19 09:54:44
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