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26.11.2014 Wertewandel angemahnt

Papst fortschrittlicher als die Politik des "freien" Westens?

Da muss man sich schon die Augen und Ohren reiben. Ausgerechnet die katholische Kirche, über Jahrhunderte in Eroberungen (Kreuzzüge), Unterdrückung von Andersdenkenden (Inqusition) dunkle Finanzgeschäfte (Vatikanbank) verstrickt, mahnt die Politiker zu einer humaneren Politik.

So hat Papst Franziskus in der letzten Woche im EU Parlament zur Flüchtlingsproblematik wörtlich festgestellt:

  • Es nicht hinnehmbar, dass das Mittelmeer zu einem Massenfriedhof wird.
  • Auf den Kähnen, die täglich an den europäischen Küsten landen, sind Männer und Frauen, die Hilfe brauchen.
  • Es ist notwendig, auf die Ursachen einzuwirken und nicht nur auf die Folgen.*)

Bei der Gedenkfeier zum hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs an der Gedenkstätte Redipuglia hatte der Papst am 13. September 2014 vor den "einfachen militärischen" Lösungswegen aus den heutigen Krisen gewarnt und wörtlich festgestellt:

  • Auch heute, nach dem zweiten Scheitern eines weiteren Weltkriegs kann man vielleicht von einem dritten Krieg reden, der in Abschnitten ausgefochten wird, mit Verbrechen, Massakern, Zerstörungen…
  • Auch heute gibt es viele Opfer… Wie ist das nur möglich? Es ist möglich, weil es auch heute hinter den Kulissen Interessen, geopolitische Pläne, Geldgier und Machthunger gibt, und es gibt die Waffenindustrie, die anscheinend so wichtig ist!

Das ist mehr als der erhobene Zeigefinger, es ist ein klarer Fingerzeig auf die Verantwortlichen. Dazu hatte er bereits in seiner 200-seitigen "Regierungserklärung", 8 Monate nach seiner Wahl geschrieben:

  • So sei die ungleiche Verteilung des Reichtums die wichtigste Ursache aller sozialen Übel und von Gewalt. „Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt, werden sich die Probleme der Welt nicht lösen.“
  • „Diese Wirtschaft tötet.“ Alles drehe sich heute um Konkurrenzfähigkeit und das Gesetz des Stärkeren. „Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann.“

Man möchte solche Sätze auch mal von Politikern hören, die sich soziale Marktwirtschaft in ihr Programm geschrieben haben. Vor allem fehlen seit Jahrzehnten Taten die die Politik in eine solche humanere Richtung vorantreiben.

Stattdessen erleben wir die Verschiebung von Staatsvermögen zu privaten Banken,  Hartz-IV, Rentenkürzungen, Abschottung nach außen, Überwachung nach innen, wahnsinnige Steigerungen der Rüstungshaushalte und jahrelange mörderische Kriege (Jugoslawien, Afghanistan, Somalia, Irak, Libyen, Syrien, Mali, wieder Irak, ...) ohne den Versuch einer Legitimierung durch UN-Gremien, allein um wirtschaftliche Einflusssphären und den ungehinderten Zugang zum Schmierstoff Öl.

 PS. Um uns unnötige Kommentare zu ersparen, sei festgestellt, dass wir weder zu Konvertiten des Katholizismus geworden sind, noch die Verbrechen der Kirche relativieren wollen. Wir wollen vor allem auf die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der Realisierung z.B. der "europäischen Idee" hinweisen. Eine Verwirklichung humanitärer freiheitlicher Ideale wird sich nicht erreichen lassen, solange z.B. im Lissabon-Vertrag, der derzeit gültigen EU-Verfassung, die "Pflicht zur Erhöhung der Rüstungsausgaben" steht.

... über alle anderen Kommentare freuen wir uns natürlich.

--
*) Insbesondere die Forderung nach Ursachenbekämpfung ist auch Inhalt und Fazit unseres Films FRONex - FORT EUROPE

Quellen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/papst-franziskus-haelt-rede-vor-europaparlament-a-1004854.html
und http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/15/papst-franziskus-wir-befinden-uns-im-dritten-weltkrieg/
und http://www.fr-online.de/der-neue-papst/papst-franziskus--diese-wirtschaft-toetet-,10846758,25437588.html


Kommentar: RE: 20141126 Wertewandel angemahnt

Immerhin, so fortschrittliche Rede hätte ich keinem Papst je zugetraut. Das geht gegen die Grundlagen,
"...indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt,"
und vorher ..... "Auch heute, nach dem zweiten Scheitern eines weiteren Weltkriegs kann man vielleicht von einem dritten Krieg reden, der in Abschnitten ausgefochten wird" .

Ch., 26.112014 20:01


 


Kategorie[23]: Flucht & Migration Short-Link dieser Seite: a-fsa.de/d/2nr
Tags: Europa, EU, Papst, Freiheit, Gleichheit, Bruederlichkeit, Ideale, Werte, Papst, Militaer, Krieg, Ruestung, soziale Marktwirtschaft, Flucht, Migration
Erstellt: 2014-11-26 08:03:24
Aufrufe: 446

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