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01.03.2015 Stoppt die Hinrichtung von Rodney Reed!

Mahnwache für Gefangene und gegen Gefängnisindustrie und Todesstrafe

Update 01.03.2015 18h: Heute um 15h fand vor der US Botschaft Berlin eine Kundgebung gegen die Hinrichtung von Rodney Reed und gegen die Todesstrafe weltweit statt .

Die Hinrichtung, die am 5.März 2015 stattfinden sollte , ist vor wenigen Tagen immerhin "verschoben" worden , was aber nicht heißt, dass Rodney Reed außer Gefahr ist. Rodney Reed ist einer von über 3000 Gefangenen in US-Todestrakten , die kaum eine Chance auf einen fairen Prozess hatten , weil sie sich selbst keine qualifizierte Verteidigung leisten konnten. Texanische und föderale Gerichte lehnten wiederholte Anträge von Reed auf forensische Untersuchungen der Tatumstände ab.

Nun soll seine Akte geschlossen werden und er mit der Giftspritze zu Tode gefoltert werden. Das können wir verhindern!

In Texas , in vielen anderen Bundesstaaten und Ländern wird gefordert : STOPPT DIE HINRICHTUNG!

Kein Staat hat das Recht , Menschen zu töten , weder durch Militär, Polizei oder Todesstrafe !

Mehr dazu auf    Freiheit für Mumia Abu-Jamal  , Mumia Abu-Jamal - Wettlauf gegen den Tod - das Hörbuch und Campaign to End the Death Penalty  


Aufruf zur Kundgebung:

Wir wollen am So., den 1. März um 15h vor der US Botschaft in Berlin gegen die geplante Hinrichtung von Rodney Reed demonstrieren! Diese Kundgebung wird vom Bündnis Freiheit für Mumia-Abu-Jamal organisiert.

Der Aufruf (auf englisch)

Rodney Reed ist ein Gefangener im Todestrakt, den der US-Bundesstaat Texas am 5. März 2015 hinrichten möchte. Verurteilt wurde der junge Afroamerikaner 1996 für eine brutale Vergewaltigung und Mord an einer weissen Frau, die jedoch von ihrem damaligen Partner, einem Polizisten, ermordet wurde. Der Polizist sitzt zurzeit wegen Vergewaltigung im Amt in einem anderen Fall noch bis 2018 in Haft.

Wir wollen den texanischen Gouverneur Abbott sowie den zuständigen Begnadigungsausschuss auffordern, die für den 5. März 2015 angesetzte Hinrichtung von Rodney Reed auszusetzen und endlich eine vollständige DNA Untersuchung der Tatumstände zuzulassen, die zu seiner Verurteilung führten.

Rodney Reed ist einer von über 3000 Gefangenen in US-Todestrakten, die kaum eine Chance auf einen fairen Prozess hatten, weil sie sich selbst keine qualifizierte Verteidigung leisten konnten.

Kommt am So., den 1. März um 15h vor die US Botschaft in Berlin!
https://www.aktion-freiheitstattangst.org/events/1400-20150301.htm


Menschenrechte, Solidarität und Widerstand

Wenn es um moderne Gefängnissklaverei und das Ermorden Gefangener geht, denken viele Menschen an Länder in Asien oder Afrika. Dabei übersehen die meisten, dass die USA, auf beiden Gebieten eine Vorreiterposition einnimmt.

Laut UNO sitzen 25% aller weltweit Inhaftierten in US-Amerikanischen Knasten, obwohl die USA weniger als 5% zur Weltbevölkerung beisteuert. Dort existiert die größte Gefängnispopulation, die es derzeit irgendwo gibt. Mit Zwangsarbeit erwirtschaftet die staatlich-private Gefängnisindustrie enorme Profite, für die stetig mehr Gefangene benötigt werden. Politikerinnen und Politiker sorgen dabei immer wieder für neue Gesetze, um den Nachschub an Gefangenen nicht abreißen zu lassen.

Auch bei der Todesstrafe kommt den USA eine Schlüsselrolle zu: solange es dort möglich ist, Gefangene zu ermorden, die zu überwiegender Mehrheit aufgrund ihrer Armut und Hautfarbe verurteilt werden, können sich andere Staaten hinter dieser „demokratisch legitimierten" Methode verstecken.

In den USA macht der Gefängnis-industrielle Komplex inzwischen messbare Prozente des jährlichen Bruttoinlandsproduktes aus. Er gehört zu den größten Konzernen der US Binnen-Wirtschaft und galt 2007 schon als sog. "drittgrößter Arbeitgeber" - ein zynischer Begriff für Profiteure von Zwangsarbeit.

Es gibt fast keine Branche, die nicht im Gefängnis produzieren lässt. Fließbandproduktion ist dabei die Hauptarbeitsweise, z.B. für die Pharma- und Lebensmittelindustrie, Autozulieferproduktion oder Elektronik. Zusätzlich gibt es auch einen Dienstleistungssektor im Knast, z.B. diverse Call Center.

Die Arbeit in diesen Gefängnissen ist Zwang. Verweigerung wird mit Privilegienentzug und Einzeleinschluss im "Loch" geahndet, die dabei verstrichene Zeit nicht auf die Haftdauer angerechnet.

“Löhne” werden je nach Bundesstaat zwischen 16 Cent und maximal 1 Dollar in der Stunde bezahlt. Betriebsräte oder gewerkschaftliche Organisierung sind verboten. Überstunden und unmenschliche Arbeitsbedingungen sind die Gefangenen ebenso schutzlos ausgeliefert, wie der häufig praktizierten Gewalt der Wachmannschaften.

Kein Staat inhaftiert mehr eigene BürgerInnen - weder in realen Zahlen noch im Verhältnis zur eigenen Bevölkerungsgröße. Auch historisch gibt es nur wenig Vergleiche. Hinzu kommen noch 4,2 Millionen US BürgerInnen in Freigangs- oder anderen Programmen.

Auffällig ist die hohe Anzahl von Gefangenen aus den Bevölkerungsminderheiten, den "People Of Color", die insgesamt nur 20% der Gesellschaft mit ansonsten europäisch weißem Ursprung stellen. In den Gefängnissen sind jedoch ca. 2/3 der Gefangenen "People Of Color" - überwiegend AfroamerikanerInnen.

Mehr dazu bei

Angela Davis, Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse?
Der Gefängnisindustrielle Komplex der USA, Schwarzerfreitag 2004, ISBN 3-937623-32-9
Kyrylo Tkachenko, "Rassismus, strafender Staat und die US-Gefängnisindustrie"
Unrast Verlag 2012 http://www.unrast-verlag.de/gesamtprogramm/allgemeines-
programm/internationalismus/der-fall-mumia-abu-jamal-378-detail
Mumia Abu-Jamal, “Jailhouse Lawyers - Knastanwälte
Strafgefangene im Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika“, Unrast Verlag 2013 http://www.unrast-verlag.de/neuerscheinungen/jailhouse-lawyers-knastanwaelte-395-detail
Linebaugh & Rediker, "Die vielköpfige Hydra - Die verborgene Geschichte des
revolutionären Atlantiks", Assoziation A 2008 - ISBN 978-3-935936-65-1
Doris und George Pumphrey, Ghettos und Gefängnisse – Rassismus und Menschenrechte in den USA, Pahl-Rugenstein 1982, ISBN 3-7609-0677-X


Update 16.02.2015: Aussetzung der Todesstrafe in Pennsylvania

In der vergangenen Woche setzte der neu gewählte Gouverner Tom Wolf die Todesstrafe in Pennsylvania, USA aus. Er möchte zunächst umfassende Erkenntnisse einholen, bevor er - anders als sein Vorgänger - weitere Hinrichtungsbefehle unterzeichnet.

Ein Kommentar von Radio Aktiv Berlin: Audio - 05:45 min https://www.freie-radios.net/68875

Zwei Texte, die in dem Kommentar zitiert werden: "Death Penalty Moratorium Declaration" von Pennsylvanias Gouverneur Tom Wolf - Februar 2015 http://de.scribd.com/doc/255668788/Death-Penalty-Moratorium-Declaration
US Bundesrichter Jed S. Rakoff, November 2014: "Why Innocent People Plead Guilty" http://www.nybooks.com/articles/archives/2014/nov/20/why-innocent-people-plead-guilty/


Alle Artikel zu


Kommentar: RE: 20150301 Stoppt die Hinrichtung von Rodney Reed!

Ich habe an "Gefängnisindustrie" gezweifelt bis ich das gelesen habe: Pennsylvania Judge Sentenced For 28 Years For Selling Kids to the Prison System

Mark Ciavarella Jr, a 61-year old former judge in Pennsylvania, has been sentenced to nearly 30 years in prison for literally selling young juveniles for cash. He was convicted of accepting money in exchange for incarcerating thousands of adults and children into a prison facility owned by a developer who was paying him under the table. The kickbacks amounted to more than $1 million.

The Pennsylvania Supreme Court has overturned some 4,000 convictions issued by him between 2003 and 2008, claiming he violated the constitutional rights of the juveniles – including the right to legal counsel and the right to intelligently enter a plea. Some of the juveniles he sentenced were as young as 10-years old.

Ciavarella was convicted of 12 counts, including racketeering, money laundering, mail fraud and tax evasion. He was also ordered to repay $1.2 million in restitution.

His "kids for cash" program has revealed that corruption is indeed within the prison system, mostly driven by the growth in private prisons seeking profits by any means necessary.

.... und es gibt einige weitere ähnliche Urteile, also wohl kein Einzelfall.

Jochen, 21.02.2015 23:45


RE: 20150301 Stoppt die Hinrichtung von Rodney Reed!

Solche tödlichen "Fehlurteile" kommen wohl häufiger vor. James Bain saß 35 Jahre unschuldig in Florida in Haft, bis eine DNA-Analyse ihn vom Vorwurf der Entführung und Vergewaltigung entlastete.  Er war 19, als er verurteilt wurde, einen Neunjährigen missbraucht zu haben. Erst im Alter von 55 konnte er seinen Schulabschluss nachmachen und eine Ausbildung beginnen ... und inzwischen eine Familie gründen. (s. Zeitschrift stern vom 19.2.2015, S.130)

Rebecca, 25.02.2015 10:51


 

 


Kategorie[24]: Zensur & Informationsfreiheit Short-Link dieser Seite: a-fsa.de/d/2pM
Tags: Grundrechte, Menschenrechte, Rodney Reed, Mumia Abu Jamal, Todesstrafe, Demo, Aktivitaet, FsaMitteilung, USA, Gefaengnisindustrie, Zensur, Informationsfreiheit, Meinungsfreiheit, Persoenlichkeitsrecht, Polizei
Erstellt: 2015-02-15 18:39:12
Aufrufe: 854

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