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16.06.2020 Gut ist uns nicht gut genug!

"Die beste Corona-Warn-App der Welt"

Gut ist uns nicht gut genug! Gesundheitsminister Spahn wird heute sein Lieblingsprojekt vorstellen und es wird irgendetwas vorgeführt, was mit dem realen Leben nicht viel zu tun hat.

Aber loben wir zuerst einmal die Anstrengungen von Bürgerrechtlern, Datenschützern und Open Source Technik-Begeisterten. Ihnen ist zu verdanken, dass die deutsche Lösung in vielen Punkten versucht die Privatsphäre der Menschen gegenüber den Lösungen in anderen Staaten zu schützen.

  • Der Quellcode der App ist frei/offen zur Verfügung gestellt worden (Open Source) und wurde bereits von vielen unabhängigen Experten geprüft.
  • Es werden nur zufällige Codes ausgetauscht, die keinen Rückschluss auf Personen zulassen, die Anonymität ist in diesem Schritt gewahrt.
  • Bei der Meldung einer Infektion ist die infizierte Person nur noch pseudonomisiert, der Aufwand für eine Identifizierung ist aber sehr hoch.
  • Da nur Bluetooth benutzt wird, um zufällige Codes zu Sammeln, werden keine Standortdaten und Bewegungsprofile aufgenommen.
  • Es wird ein dezentrales Modell ohne zentrale Server geben - zumindest ist das die Planung.
  • In der aktuellen Version wird Wert auf Datensparsamkeit gelegt, es werden keine Daten vom Handy oder der Person benötigt und selbst die geplante optionale Datenspendefunktion gibt es nicht

Update 18.06.2020: ... war nichts mit sicher - es wurde eine Schwachstelle im Sicherheitssystem der Corona-Tracing-Apps gefunden. Durch die Lücke lassen sich sensible persönliche Daten einsehen und verändern.

Na ja, es musste ja auch schnell und günstig sein. Weit gefehlt, die fertigstellung hat sich mehrmals verzögert und allein für dieser Jahr wird der Bund 48 Millionen Euro für die App ausgeben. Dazu kommen noch mindestens 2,5 Millionen Euro Betriebskosten und 45-63 Millionen Euro für 2 Callcenter . 9,5 Millionen Euro erhält/erhielt SAP für die App Entwicklung, 7,8 Millionen für die Telekom Tochter T-Systems für die Inbetriebnahme plus 43 Millionen für den künftigen Betrieb, inkl. Hotline. Die Werbung für die App soll 3,5 Millionen Euro kosten.
https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/corona-warn-app-wie-erklaeren-sich-die-gesamtkosten-von-68-millionen-euro-a-56b5abe1-e0a6-4b1c-9177-9066df3d9b14?fbclid=IwAR21PP3gmWDjDVg5HBHnI_DdFdQ6ahyupwKTph3px0ImmV6eTslKoiV-4bQ

Also alles paletti?

In mehr als 4 Artikeln haben wir die Probleme bei der Nutzung von Warn-Apps aufgezählt. Auch wenn wir Anfang März von der Erfassung von Standortdaten und damit Bewegungsprofilen ausgegangen waren, macht die jetzige Lösung nicht viel besser. Es wird nicht funktionieren!

Schauen wir dazu nach Singapur: Dort wurde im März die Corona-App "Trace Together" eingeführt und obwohl man von asiatischer Mentalität erwartete, dass die Mehrheit der Handybesitzer die App installieren, waren es nur unter 40%. 75% hatte man für einen Erfolg vorausgesetzt. Besonders die Risikogruppen der alten Menschen und (wegen des Bewegungsdrangs) der Kinder konnte fast gar nicht erreicht werden.

Viele Nutzer der App haben diese nach einigen Wochen wieder deaktiviert, da sie merkten, dass die ständige Bluetooth Aktivität ihre Akkus entlud. In Singapur wird nun über ein extra Gerät, den Bluetooth Token, nachgedacht, den Jede/r künftig mit sich tragen soll.

Bei uns hat man die für einen "Erfolg" nötige Abdeckung von anfangs 60% inzwischen auf 40% heruntergeschraubt. Gestiegen sind dagegen die Kosten. An die 20 Millionen wurden für die Entwicklung ausgegeben und mit 2,3 Millionen Euro pro Monat soll der Betrieb kosten. Welcher Betrieb? Die Menschen zahlen doch die Aufladung ihrer Handys selbst.

Die App ist nicht eine App sondern drei oder zweieinhalb

Die ganzen eingangs genannten Positiva beziehen sich auf die Kontakt-App mit der Erzeugung der Kontakt-Zufallszahlen. Eine "halbe" App ist die Benachrichtigungsfunktion, die von Apple und Google in ihre Handybetriebssysteme integriert wurde und damit auf jedem neueren Gerät "automatisch" bereits installiert ist. Nach DSGVO solte also jeder Besitzer eines solchen Gerätes in den letzten Wochen gefragt worden sein, ob er oder sie am Austausch von Gesundheitsdaten interessiert ist. Bei Kunden von "Magenta Eins" hat es solche Nachfragen gegeben, wo sonst noch ...

Zwischen diese beiden "Apps" gehören einige Vorgänge, die für die Privatsphäre entscheidend sind und über die wenig gesprochen wird.

  • Ein Mensch mit App fühlt sich krank und lässt sich testen ... oder auch nicht (80% der Infizierten haben nur geringe Symptome sind aber trotzdem ansteckend)
  • Wird jemand positiv getestet, so "wird dieses Ergebnis der Benachrichtigungsdienst-App zugänglich gemacht".

In diesem letzten Schritt versickern die 2,3 Millionen pro Monat und über die einzelnen Schritte und die Aufteilung der Gelder sind sich die Beteiligten durchaus nicht einig.

  • Sind die Labore, die die Tests durchführen, diejenigen die direkt den Benachrichtigungsdienst über die "Zufallszahl" des Trägers informieren?
  • Geht es über ein Gesundheitsamt oder die Krankenkasse?
  • Kann der Infizierte die Information auch zurückhalten?
  • Wer in dieser Kette bekommt alles die persönlichen Daten des Infizierten?
  • ...

Für die 2,3 Millionen könnte man auch 1000 Menschen dauerhaft im Gesundheitswesen beschäftigen, aktiv bei der Kontaktverfolgung Infizierter zu helfen. Schauen wir uns das aktuelle Infektionsgeschehen an, so sehen wir, das es einzelne Hotspots gibt, an denen schnell und effektiv geholfen werden sollte, die aber nicht durch zufällige Begegnungen entstanden sind. Das sind Kirchengemeinden, Wohnblöcke in sozialen Brennpunkten, große Familienfeiern - Zusammenhänge, die auch schnell ohne App aufzudecken sind.

Letzter Punkt: Freiwilligkeit

Unabhängig von der Sinnlosigkeit der App(s) ist für uns ein Punkt zentral: Die Bundesregierung weigert sich für die Corona-App eine gesetzliche Regelung zu treffen. Damit ist die von allen Beteiligten betonte Freiwilligkeit ein Hohn. Solange nicht gesetzlich garantiert ist, dass niemand wegen der Nutzung bevorzugt oder der Nichtnutzung benachteiligt wird, müssen wir dieses Projekt ablehnen. Über die heimlichen Anreize und Benachteiligungen werden wir in einigen Monaten sicher berichten können ...

Bereits die im Zuge von Corana notwendige Online Reservierung für Museen, Ausstellungen, Zoos, Restaurants u.v.m. diskriminiert Menschen ohne Internetzugang. Diese Zweiklassengesellschaft darf sich nicht weiter ausbreiten!

Mehr in unseren Artikel zu Corona bei https://www.aktion-freiheitstattangst.org/cgi-bin/searchart.pl?suche=Corona&sel=meta


Kommentar: RE: 20200616 Gut ist uns nicht gut genug!

Was ich dadurch bisher herausgefunden habe: nach initialer Kritik hat man jetzt zu einem sinnvollen dezentralen Ansatz gefunden. Daten werden anonymisiert erhoben und dezentral verarbeitet. Der Quellcode ist veröffentlicht. Die Angriffsszenarien zur Deanonymisierung und Erstellung von Bewegungsprofilen sind:
Jemand stalkt dich. (Dann hast du sowieso ein anderes Problem, als dass jemand weiß, ob du Corona positiv bist oder nicht.) Die Risiken überwiegen nicht den potentiellen Nutzen. Der CCC schweigt laut. Heißt, auch die Experten dort sind der Meinung, dass die Risiken nicht den pot. Nutzen überwiegen.
Dass nicht alle ein Handy haben, sehe ich auch als größte Schwachstelle des Ansatzes.

T., 16.06.2020 11:00


RE: 20200616 Gut ist uns nicht gut genug!

Ihr Lieben,
1. Hauptsatz der Netzdynamik: Es gibt keine Anonymität im Netz.
2. Hauptsatz : Staaten und deren Geheimdiensten ist nicht zu trauen.
Ich widerspreche ausdrücklich der Empfehlung, die Tracking-App einzusetzen.
Es gibt keinen Grund diese App einzusetzen. Alle Begründungen und Beschwichtigungen sind nur Lyrik.

Ma., 16.06.2020 22:08


RE: 20200616 Gut ist uns nicht gut genug!

Ma., 16.06.2020 22:00

1. Die App macht kein Tracking, sondern Tracing.
2. Folgende wissenschaftliche Begründungen für einen Einsatz der App existieren:
https://www.research.ox.ac.uk/Article/2020-04-16-digital-contact-tracing-can-slow-or-even-stop-coronavirus-transmission-and-ease-us-out-of-lockdown
https://science.sciencemag.org/content/368/6491/eabb69368

Fr., 16.06.2020 23:24


RE: 20200616 Gut ist uns nicht gut genug!

Da habe ich doch wieder einmal etwas gelernt.
1. Wer sagt uns, das die "Oxford-APP" etwas mit unserer App zu tun hat?
2. Wer sagt uns, dass die andere -deutsche- App welche kritisch untersucht worden ist und welche dabei nicht gut weg kommt auch dieselbe ist, welche dann zum Download angeboten worden ist?
3. Sind die Quellcodes schon verglichen worden?
4. Sollte man alles glauben, was veröffentlicht wird über Dinge, welche man unbedingt durchsetzen will?
5. Kann eine Tracing-App auch tracken?
6. Darf man den 1. und 2. Satz der Netzdynamik außer Acht lassen?
Es tut mir leid, wenn ich so undifferenziert war. Aber ich konnte keinen Aspekt erkennen, welcher für eine Corona-App spricht.
Die Beschreibung von Oxford ist nicht wissenschaftlich. Deine Zweite "wissenschaftliche" Quelle geht auch von völlig abwegigen Vorraussetzungen aus.
Das sollte aber jeder mal selber lesen.

Ma., 17.06.2020 00:30


RE: 20200616 Gut ist uns nicht gut genug!

Hmh, es gab schon interne Tests und die waren ... wie zu erwarten. Es funktioniert nichts
Kurzfassung: Ein Mensch meldet seine Infektion
langes Warten am Telefon der Hotline ...
dann Abwiegelung: der Code ist im System noch nicht finden. Bitte später noch mal melden
3 Stunden später: erneuter Anruf, wieder warten, Geschichte wiederholen. Es wird einfach aufgelegt - oder ein anderer Verbindugsabbruch ...

Su., 17.06.2020 07:56


RE: 20200616 Gut ist uns nicht gut genug!

Es hat nur einen Tag gedauert und schon ist die Corona App kompromittiert:
Wissenschaftler aus Rhein-Main haben eine Schwachstelle im Sicherheitssystem der Corona-Tracing-Apps gefunden. Durch die Lücke lassen sich sensible persönliche Daten einsehen und verändern.
https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/forscher-entdecken-sicherheitsluecke-bei-corona-apps-16812694.html

Josef, 18.06.2020 09:42


Kategorie[21]: Unsere Themen in der Presse Short-Link dieser Seite: a-fsa.de/d/3a7
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Erstellt: 2020-06-16 08:39:23
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