----- German TXT -----
The Media Freedom Act
Daniel Freund, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Grünen (be-)schreibt uns, was mit dem Media Freedom Act der EU auf uns zu kommen soll.
Letzten Dienstag, 13. September hat die EU-Kommission ihren Vorschlag für ein neues Gesetz zum Schutz der Medienfreiheit in der EU vorgelegt. Im Innenausschuss (LIBE) werde ich diesen Bericht im Namen der Grünen Fraktion verhandeln. Was ist von dem "European Media Freedom Act" zu erwarten?
Das Wichtigste auf einen Blick: Was wird enthalten sein?
-
Überwachung der Medienkonzentration:
Die Konzentration von Medienbesitz ist eine der größten Bedrohungen für die Medienvielfalt. Die Kommission will deshalb einen Medienpluralismus-Test einführen, der bei Fusionen von Medienunternehmen angewendet werden soll. Dieser Test soll jedoch von der zuständigen nationalen Behörde des betreffenden Mitgliedstaates durchgeführt werden. Ein neu geschaffener "Europäischer Rat für Mediendienste" soll lediglich eine nicht bindende Stellungnahme abgeben können. -
Transparenz der Medieneigentümerschaft:
Medienunternehmen haben einen erheblichen Einfluss auf die öffentliche Meinung. Aus diesem Grund möchte die Kommission die Medienunternehmen verpflichten, Informationen darüber zu veröffentlichen, wem sie direkt oder indirekt gehören. -
Transparenz der staatlichen Werbung:
Öffentlich finanzierte Medienwerbung darf nicht zu einer staatlichen Beihilfe für regierungsnahe Medien werden. Die Kommission will für mehr Transparenz bei der Verteilung öffentlicher (EU-)Mittel an die Medien sorgen. Die nationalen Behörden müssen jährlich veröffentlichen, wie viel Geld sie für Werbung in welchen Mediendiensten ausgegeben haben. -
Rechenschaftspflicht der großen Online-Plattformanbieter:
Sehr große Online-Plattformen (Facebook usw.) sind für viele Nutzer das Tor zu Mediendiensten. Sie sollen ausführlich begründen, wenn sie bestimmte Inhalte von Mediendiensteanbietern auf ihrer Plattform einschränken oder löschen wollen. -
Schutz vor Überwachung:
Nach dem jüngsten Pegasus-Spionageskandal in mehreren Mitgliedstaaten würde das neue Gesetz den nationalen Behörden ausdrücklich verbieten, Journalisten auszuspionieren, was Anwälten in vielen Mitgliedstaaten zum ersten Mal eine gute Grundlage für rechtliche Schritte bietet.
Sind Orbans und Babis' Medienimperien jetzt in Schwierigkeiten?
Bislang hat die Kommission immer behauptet, sie habe keine Handhabe gegen das ungarische Medienkonglomerat KESMA, das von Orbans Kumpanen kontrolliert wird. Mit dem Vorschlag eines Medienpluralismus-Tests will die Kommission sicherstellen, dass ein Konglomerat wie KESMA in Zukunft nicht mehr entstehen kann. Es ist fraglich, ob dies gelingen kann, wenn dieser Test von den nationalen Behörden durchgeführt wird, die möglicherweise bereits unter der Kontrolle der Regierungspartei stehen. Noch wichtiger ist, dass der Test nicht dazu beitragen wird, die bestehenden Probleme der Medienkonzentration zu verringern.
Bislang war es auch für Staatschefs wie Andrej Babis in der Tschechischen Republik oder Silvio Berlusconi in Italien problemlos möglich, gleichzeitig Regierungschef und Anteilseigner zahlreicher Medienunternehmen im Land zu sein. Die Kommission möchte nun, dass Medienunternehmen in Zukunft Informationen über etwaige Interessenkonflikte möglicher Anteilseigner veröffentlichen. Dies wäre zwar eine positive Entwicklung, aber es ist unklar, wie sichergestellt werden soll, dass diese Interessenkonflikte anschließend gelöst werden.
Wie geht es weiter?
Sobald der Kommissionsvorschlag vorliegt, wird das Dossier an die zuständigen EP-Ausschüsse weitergeleitet. Je nach Schwerpunkt des Kommissionsvorschlags werden wahrscheinlich die Ausschüsse für Binnenmarkt (IMCO), Inneres (LIBE) und/oder Kultur (CULT) federführend sein. Auf der Grundlage der Arbeit der zuständigen Ausschüsse wird dann ein parlamentarischer Standpunkt festgelegt. Sobald auch der Rat seinen Standpunkt festgelegt hat, werden die Trilogverhandlungen zwischen Rat und Parlament beginnen.
Es kann also bis zu einer möglichen wirklichen Freiheit der Medien noch dauern ...
Mehr dazu bei https://www.europarl.europa.eu/meps/de/106936/DANIEL_FREUND/home
und https://www.greens-efa.eu/de/person/freund-daniel
----- English TXT -----
The Media Freedom Act
Daniel Freund, Member of the European Parliament for the Greens, writes to us about what is to come with the EU's Media Freedom Act.
Last Tuesday, 13 September, the EU Commission has presented its proposal for a new law to protect media freedom in the EU. In the Home Affairs Committee (LIBE), I will negotiate this report on behalf of the Green Group. What can be expected from the "European Media Freedom Act"?
The most important things at a glance: What will be included?
- Monitoring of media concentration: Concentration of media ownership is one of the biggest threats to media plurality. The Commission therefore wants to introduce a media pluralism test to be applied to mergers of media companies. However, this test is to be carried out by the competent national authority in the member state concerned. A newly created "European Board for Media Services" shall only be able to give a non-binding opinion.
- Transparency of media ownership: Media companies have a significant influence on public opinion. For this reason, the Commission would like to oblige media companies to make information public on who owns them, either directly or indirectly.
- Transparency of state advertising: Publicly financed media advertising must not become state aid for pro-government media. The Commission wants to ensure more transparency in the distribution of public (EU) funds to the media. National authorities will have to publish annually how much money they have spent on advertising on which media services respectively.
- Accountability of larger online platform providers: Very large online platforms (Facebook, etc.) act as a gateway to media services for many users. They are supposed to give detailed reasons if they want to restrict or delete certain content from media service providers on their platform
- Protection from surveillance: Following the recent Pegasus spyware scandal in several Member States, the new law would explicitly prohibit national authorities to spy on journalists, giving lawyers in many Member States for the first time a good basis to take legal action.
Are Orban's and Babis's media empires now in trouble?
So far, the Commission always said it had no leverage against the Hungarian media conglomerate KESMA, controlled by Orban's cronies. By proposing a media pluralism test, the Commission wants to ensure that a conglomerate like KESMA cannot emerge again in the future. It is questionable whether this can succeed if this test is carried out by the national authorities, which are potentially already under the control of the ruling party. More importantly, the test won't help to reduce existing media concentration problems.
Until now, it was also possible without any problems for heads of state like Andrej Babis in the Czech Republic or Silvio Berlusconi in Italy to be head of government and shareholder in numerous media companies in the country at the same time. The Commission now wants media companies to publish information on any conflicts of interest of possible shareholders in the future. While this would be a positive development, it is unclear how it will be ensured that these conflicts of interest are subsequently resolved.
What happens next?
As soon as the Commission proposal is available, the file will be sent to the EP Committees in charge. Depending on the focus of the Commission proposal, the Internal Market (IMCO), Home Affairs (LIBE) and/or Culture (CULT) committees will probably be in charge. Based on the work of the competent committees, a parliamentary position will then be adopted. As soon as the Council has also adopted its position, the trialogue negotiations between Council and Parliament will begin.
So it may still take some time until a possible real freedom of the media ...
Read more https://www.europarl.europa.eu/meps/de/106936/DANIEL_FREUND/home
and https://www.greens-efa.eu/de/person/freund-daniel
Kategorie[21]: Unsere Themen in der Presse Short-Link dieser Seite: a-fsa.de/d/3pK
Link zu dieser Seite: https://www.a-fsa.de/de/articles/8148-20220918-eu-gesetz-zum-schutz-der-medienfreiheit.htm
Link im Tor-Netzwerk: http://a6pdp5vmmw4zm5tifrc3qo2pyz7mvnk4zzimpesnckvzinubzmioddad.onion/de/articles/8148-20220918-eu-gesetz-zum-schutz-der-medienfreiheit.htm
Tags: #MediaFreedomAct #EU #Kommission #Trilog #Überwachung #Lobbyismus #Medienmacht #Big5 #Internetkonzerne #Werbung #Zensur #Transparenz #Informationsfreiheit #Meinungsmonopol #Meinungsfreiheit #Pressefreiheit #Internetsperren #Netzneutralität #OpenSource #Babis #Orban #Berlusconi
Erstellt: 2022-09-18 07:57:22 Aufrufe: 920
Kommentar abgeben




