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Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Bombenanschlags auf die Keupstraße

Beginn: Di, 09. Jun 19:00 CEST 2020
Ende:   Di, 09. Jun 21:00 CEST 2020
Ort:   Köln, Keupstraße/Ecke Schanzenstraße
Geodaten: (N50.9658),(E7.0091)

Kontakt:
Tags: Grundrechte, Menschenrechte, Rechtsaußen, Neo-Nazis, NSU, Faschisten, Rassismus,

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Erinnern und handeln gegen Rassismus


9. Juni 2020, 19 Uhr, Gedenkkundgebung Keupstraße/Ecke Schanzenstraße, Köln

Am Jahrestag des Nagelbombenanschlages vom 9. Juni 2004 erinnern wir
gemeinsam mit Betroffenen aus der Keupstraße und der Probsteigasse, wo
2001 ebenfalls eine Bombe des NSU explodierte, und Vertreter*innen der
Initiative 19. Februar aus Hanau an die Opfer rassistischer Gewalt und
die Kämpfe gegen Rassismus.

Am 9. Juni 2004 explodierte in der Keupstraße eine Nagelbombe und
verletzt zahlreiche Menschen, einige davon schwer. Obwohl Vieles von
Anfang an für Nazis als Urheber sprach, richtete sich der Verdacht der
Ermittler*innen ausschließlich gegen die Bewohner*innen und Beschäftigten der
Straße. Die Opfer wurden zu Täter*innen und die über Köln hinaus
bekannte Geschäftsstraße als „Parallelwelt krimineller
Ausländer-Milieus“ bezeichnet, der Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs (SPD) sprach
verächtlich von einem Ghetto. Nach der Selbstenttarnung des NSU, der von
2000 bis 2009 neun Migranten und eine Polizistin ermordete, versprach
die Bundeskanzlerin eine „lückenlose Aufklärung“ der beispiellosen
rassistischen Mordserie.

Trotz mehrerer Parlamentarischer Untersuchungsausschüsse und 5 Jahren
Hauptverhandlung am Oberlandesgericht München ist der NSU-Komplex bis
heute nicht aufgeklärt. Im Gegenteil, den Verbindungen zur militanten
Nazi-Szene und zum Verfassungsschutz wurde nicht nachgegangen und die
zwei verurteilten Unterstützer des rechten Terrornetzwerks und engsten
Vertrauten des NSU wurden direkt nach dem Urteil im Münchner Prozess aus
der Haft entlassen. Während die Neonazi-Szene dieses als Erfolg feierte,
kritisierten die Opfer, ihre Anwält*innen und Unterstützer*innen das milde
Urteil und die Haftentlassungen als Ermutigung an die Nazis weiter zu
machen.

Tatsächlich geht die rassistische Mord- und Anschlagserie weiter. Der
Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke am 2. Juni 2019
dokumentiert das Weiterwirken des NSU-Komplexes und die fortgesetzte
Existenz des niemals vollständig aufgeklärten „Netzwerks von Kameraden“,
wie die Selbstbezeichnung des NSU lautete. Ausgerechnet Kassel, wo der
V-Mann-Führer Andreas Temme wirkte, der beim Mord des NSU an Halit
Yozgat selbst am Tatort war. Vier Monate später, im Oktober 2019,
versuchte ein schwer bewaffneter Nazi in der Synagoge von Halle ein
Massaker unter jüdischen Gläubigen anzurichten. Nachdem das nicht
gelang, erschoss er vor dem Gebäude eine Passantin und einen Gast in
einem Döner-Imbiss. Am 19. Februar 2020 schließlich richtete ein Rassist
in zwei Shisha-Bars in Hanau ein Blutbad an. Neun Menschen starben und
anschließend die Mutter des Täters. Am 07. April 2020 wurde ein 15-jähriger
Jugendlicher in Celle ermordet. Was die Mörder eint, ist ihr
zutiefst rassistisches, antisemitisches und anti-feministisches Weltbild.

Einen Tag nach dem Massaker von Hanau am 19. Februar folgten Tausende
dem Aufruf der Angehörigen auf die Straßen zu gehen und der Opfer zu
gedenken. In Köln haben sich hunderte spontan an der Keupstraße
versammelt, aus Solidarität mit den Betroffenen des rechten Terrors,
gegen die Neonazi-Mörder*innen und gegen ihre geistigen Vorbereiter und
Verbündeten.

Am Jahrestag des Anschlags in der Keupstraße gedenken vor Ort. Wir
treffen uns am „Herkesin Meydanı – Platz für Alle“, der der Erinnerung
einen Raum geben wird. Erinnern heißt verändern. Deshalb handeln wir
gemeinsam gegen Rassismus. Migrantifa ist unsere Vision: Für die
Gesellschaft der Vielen - Yalla, yalla, Migrantifa!


Für Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç,
Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık,
Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter, die vom NSU ermordet wurden. Für
Fatih Saraçoğlu, Ferhat Ünvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kalojan
Welkow, Mercedes Kierpacz, Said Nesar El Hashemi, Sedat Gürbüz, Vili
Viorel Păun, die in Hanau erschossen wurden. Für Jana L. und Kevin S.,
die in Halle ermordet wurden. Für Arkan Hussein Khalaf, der in Celle
erstochen wurde und alle anderen Opfer rassistischer Gewalt.

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